Samstag, 1. November 2008

Von Hitze, Herbst, Taibei und der Liebe

97. Jahr 11. Monat 1. Tag 7. Woche in Taiwan

Schon wieder hat ein neuer Monat angefangen. Seit zwei Tagen ist es in Taiwan unglaublich schwuel. Ich wuerde am liebsten den ganzen Tag unter der Dusche stehen und Deo benutzen, aber es muss ja auch mal gearbeitet werden! :-)
Dabei fangen wir hier eigentlich schon an zu frieren. Die Kinder haben ihre langen Sachen ausgepackt und in den Laeden werden fast nur noch Herbstsachen verkauft. Das ist ja auch kein Wunder, bei 24 bis 27 Grad! ;-) ;-)

Letztes Wochenende waren wir in Taibei und haben ungefaehr die Haelfte aller dort vorhandenen Sehenswuerdigkeiten besichtigt. Den Schlangenmarkt, mehrere grosse Tempel, die Xiang-Kai-Shek Memorial Hall, den Peace Parc, das aelteste Wohnhaus dort und wir waren auch ganz kurz im Museum fuer finest art, beschlossen aber, doch nicht in die Ausstellung zu gehen. Dazu hatten wir einfach keine Geduld mehr. Ausserdem ging es natuerlich wieder auf den Shilin- Nightmarket, einer der groessten Nachtmaerkte Taiwans.
Dort riecht es nach Essen, Menschen und Tieren, nach Kleidern und Getranken und man hoert unwahrscheinlich viele und laute Stimmen. Nicht zu vergessen die fliegenden Haendler, die einen in der schmalen Gasse fast umrennen, wenn die Polizei auf ihren Rollern auftaucht.

Trotzdem habe ich mich wieder auf unser Zuhause gefreut. In meiner Arbeit ist definitiv der Alltag eingekehrt. Ich weiss wo meine Aufgaben liegen und was ich mir ungefaehr bei welchem Kind erlauben kann. Demnaechst fange ich an, an den Weihnachtsgeschenken zu basteln und die Kinder proben jetzt schon fuer ihre Auffuehrungen bei den vielen Veranstaltungen, die in der Zeit stattfinden werden.

Vor kurzem hatte ich mehrere sehr schoene Erlebnisse. Von zweien will ich erzaehlen:
Das Maedchen um das ich mich kuemmere, U ch ue, sollte am Abend ins Bett gehen. Waehrend ich sie wickelte, fing sie auf einmal an zu weinen. Ihr koennt euch vorstellen wie erschrocken ich war, weil ich dachte, dass ich sie verletzt haette. Also nahm ich sie auf den Arm mit zu der verantwortlichen Lehrerin, die mir erklaerte das meine Suesse weine, weil ich gleich nach Hause gehen wuerde. Die Kleine legte ihre duennen Aermchen ganz fest um meinen Hals und wollte mich gar nicht mehr loslassen, bis ich ihr sagte, dass ich am naechsten Tag ja wiederkommen wuerde.

Am Donnerstagmorgen hatten wir wie immer Fruehdienst. Da ich einem der Jungs im Rollstuhl beim Aufstehen helfe und damit zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein muss (es muss morgens immer sehr schnell gehen), kam ich zehn Minuten frueher zur Arbeit. Ausser meinem Spezi dschin z an war noch keiner im grossen Essraum und auch er hatte noch seinen Schlafanzug an. Als er mich sah, rief er laut: Tina! Hen piau liang! (das ist wieder romanisiert! und heisst uebersetzt: Tina! Wie wunderschoen!) und rannte zu mir, um mich zu umarmen.

Mit solchen und aehnlichen Erlebnissen versuesst Gott mir hier mein Leben und lehrt mich was es heisst, Liebe zu geben und was man dafuer im Gegenzug wieder erhaelt!